Aus den Regionen: IG Metall Suhl-Sonneberg

Besser attraktiv als Ausbildungsbetrieb - 1.007 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr gemäß Tarifvertrag der IG Metall

  • 02.08.2021
  • Aktuelles, Gesellschaftspolitik, Zielgruppen, Jugend, Studierende

Das Berufsausbildungsjahr beginnt in Thüringen zum August eines Jahres. Der individuelle Ausbildungsbeginn kann davon abweichen und wird sich zumeist an den Schulferien orientieren. Teilweise konnten Betriebe nicht alle geplanten Ausbildungsplätze besetzen. Das folgt einerseits aus der zu geringen Zahl von Schulabgänger:innen, die sich für eine duale Berufsausbildung entscheiden. Aber es liegt vielfach auch am konkreten Angebot des Ausbildungsbetriebes.

Aus den Zahlen der Agentur für Arbeit Suhl für Juli 2021 ergibt sich, dass die Stellen-Bewerber-Relation bei 2,0 liegt. Damit stehen den 507 Stellenbewerber:innen im Agenturbezirk zum 29. Juli 2021 insgesamt 1.006 Ausbildungsstellen zur Auswahl. Regional ist das jedoch auch durchaus unterschiedlich.

„Unbesetzte Ausbildungsstellen gehören inzwischen zur Normalität in Südthüringen. Einmal, weil sich viele junge Leute für weiterführende Schulen oder einen akademischen Weg entscheiden. Selbst die, die das Studium später nicht erfolgreich abschließen. Das liegt aber häufig auch an den Angeboten in der dualen Ausbildung. Kümmerliche Ausbildungsvergütungen, zweifelhafte Ausbildungsqualität und völlige Unklarheit über Perspektiven nach Abschluss der Ausbildung sprechen niemanden mehr an. In Betrieben hingegen, in denen der Tarifvertrag der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie angewendet wird, erhalten Auszubildende, die Mitglied der IG Metall sind, im ersten Ausbildungsjahr 1.007 Euro brutto im Monat. Zudem sind 30 Arbeitstage Urlaub, also 6 Wochen pro Jahr, und beispielsweise auch zusätzliches Urlaubsgeld und Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld geregelt. Nach Abschluss der Ausbildung ist die unbefristete Übernahme im Ausbildungsbetrieb tarifvertraglich gesichert. Damit wissen die Jugendlichen, die dieses Jahr eine Ausbildung beginnen, schon heute, wie es im Sommer 2024 oder Anfang 2025 für sie weiter gehen wird. Das spricht Jugendliche an. Und so können Ausbildungsstellen auch besetzt werden.“, fordert Thomas Steinhäuser, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Suhl-Sonneberg und Berufsbildungsexperte, ein.

In Betrieben, in denen bisher durch die Beschäftigten mit der IG Metall kein Tarifvertrag durchgesetzt werden konnte, haben die Auszubildenden nach Berufsbildungsgesetz in Auslegung der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes Anspruch auf mindestens 80 Prozent der tarifvertraglichen Vergütung. In Thüringen sind dann im Metallgewerbe mindestens 806 Euro brutto monatlich im ersten Ausbildungsjahr zu zahlen.

„Es muss in der Berufsberatung noch besser gelingen, Jugendliche und ihre Eltern auch über die zukünftigen Bedarfe am Arbeitsmarkt in Thüringen zu informieren. Zudem gibt es auch im beruflichen Bildungsweg exzellente Aufstiegs-, Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. In den kommenden Jahren werden nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Thüringen für vier von fünf freien Stellen Facharbeiter:innen und nur für 20 Prozent des Bedarfes Akademiker:innen gesucht. Da sich heute bereits ein großer Teil der Schulabgänger:innen gegen eine duale Erstausbildung entscheidet, sind deren Beschäftigungsprobleme in der Zukunft bereits heute vorher skizziert.“, schließt Thomas Steinhäuser an.