19.09.2025 | Über 500 Arbeitsplätze will der ZF-Vorstand allein am Standort Koblenz bis 2030 abbauen, so verkündete es der Vorstand, vertreten durch Herrn Dr. Peter Holtmann, am Donnerstag, 18.9.2025 den Beschäftigten am Standort Koblenz in einer Informationsveranstaltung.
Beim heutigen Pressegespräch (Freitag, 19.9.2025) in den Räumen der IG Metall Koblenz nahmen Vertreter der IG Metall und des Betriebsrats Stellung zu den verkündeten Plänen. Neben den Marktproblemen seien die Probleme in Managementfehlern und einer Strategie der Verlagerung begründet. Die Belegschaft sei bereit bei der Bewältigung der marktbedingten Probleme zu unterstützen, soweit ZF sich zum Standort Deutschland und den Arbeitsplätzen in Deutschland und Koblenz bekenne und eine Zukunftsstrategie aufzeige.
Der Betriebsrat zeigt sich tief besorgt über die geplanten Personalabbaupläne am Standort Koblenz. Trotz bestehender Standortvereinbarung sieht er Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven des Standorts Koblenz in Gefahr. „Die Ankündigungen lassen die Belegschaft verunsichert zurück.“ so Erdal Tahta, Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Koblenz: „Als vernetzter Standort mit verschiedensten ZF-Divisionen könnte eine Umsetzung der jetzt verkündeten Pläne die Arbeitsfähigkeit des Standorts im Gesamten gefährden. Ein Abbau in einzelnen Divisionen wirkt sich auf andere Bereiche aus und verschlechtert die Kostenstruktur am Standort. Aktuell steht zudem die Ausgliederung der Division U mit weiteren circa 350 Beschäftigten am Standort Koblenz im Raum. Mittelfristig könnte das die Existenz des Standorts gefährden.“
Aktuell sei zwar nahezu ausschließlich der Entwicklungsbereich betroffen, verzögert wirkt sich das aber auf alle Bereiche aus. „Ohne Entwicklung kommen keine Aufträge und in der Folge keine Produktion.“ so Tahta weiter. „Als Belegschaftsvertreter werden wir nicht zulassen, dass die Beschäftigten für Managementversagen zahlen. Wichtig ist, dass wir als Belegschaft zusammenhalten und den Verantwortlichen zeigen: Wir erwarten, dass ZF zu abgeschlossenen Verträgen steht und keine betriebsbedingten Kündigungen ins Spiel bringt. Bis 2026 haben wir eine Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung in Koblenz. ZF muss sich zu dieser Vereinbarung und dem Standort Deutschland bekennen.“
Da die Rolle des Standort Koblenz auch von der Konzernstrategie insgesamt abhinge fordert Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, darüber hinaus ein industriepolitisches Gesamtkonzept für alle ZF-Standorte in Deutschland. „Es macht keinen Sinn für Koblenz Maßnahmen zu diskutieren, wenn nicht klar ist, wohin der Konzern als Ganzes in Deutschland steuert und welche Rolle Koblenz darin einnimmt. Unsere Aufgabe als Belegschaftsvertreter ist es auch das Vorgehen des ZF-Vorstands zu hinterfragen und auf Fehler mit massiven Auswirkungen hinzuweisen.“ Ein Beispiel sei die künstliche Verteuerung der Entwicklungskosten in Koblenz durch Supportleistungen für weltweite Standorte, die als Kosten Koblenz zugerechnet werden. „Wir gehen davon aus, dass der ZF-Vorstand diese Hinweise nicht ignoriert.“ so Yener weiter.
Weitere Gespräche am Standort Koblenz knüpfen Betriebsrat und IG Metall an grundlegende Bedingungen: „Wir erwarten erstens, dass ZF bestehende Verträge einhält. Wir erwarten zweitens ein Bekenntnis zum Standort Deutschland und den Arbeitsplätzen hier und damit die Zusage, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, und drittes ein Zukunftskonzept, dass den Beschäftigten Perspektive gibt.“ so Yener abschließend. Sollte es keine verbindlichen Zusagen geben, kündigt die IG Metall weitere Maßnahmen mit den Mitgliedern abzustimmen.
An dem Pressegespräch nahmen teil:
Moderation: Stefanie Majer, Politische Sekretärin IG Metall Koblenz