Aus den Regionen: IG Metall Nordhausen

Die Menschen wollen Zukunft

  • 25.09.2020
  • Aktuelles, Betriebspolitik, Betriebliche Konflikte

Nachdem auch die Verhandlungen am 23. September 2020 in Kassel keine Fortschritte brachten, stehen die Zeichen aus Streik. Die NORMA Germany hat auf die Forderungen der IG Metall nur eine Antwort: kein verbessertes Angebot! Die Beschäftigten in Gerbershausen und Maintal sehen damit ihre Lebensleistung mit Füßen getreten. „Ein derartiges Verhalten zeugt von Respektlosigkeit.“ Mit dem heutigen Warnstreik legten die Beschäftigten die Arbeit nieder und nahmen auf der Protestkundgebung mit etwas über 450 Teilnehmern auch die Solidarität aus den umliegenden Betrieben entgegen. Damit ist ein weiteres Zeichen gesetzt.

 „Der Protest und Widerstand wird nicht mehr allein über die NORMA ausgetragen. Die Menschen wollen Zukunft statt Ausbeutung und Arbeitsplatzvernichtung. Die NORMA sollte am kommenden Samstag die Chance für eine zukunftsweisende Einigung nicht verstreichen lassen,“ so Bernd Spitzbarth, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nordhausen und Robert Weissenbrunner, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda.

Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, kritisierte am heutigen Donnerstag das Verhalten des Automobilzulieferers Norma scharf: „Wir wissen um die Herausforderungen durch die Pandemie und haben mehrfach konstruktive Vorschläge zur Gestaltung des Transformationsprozesses in der Zulieferbranche gemacht. Passiert ist nichts, die Arbeitgeber haben die Hände in den Schoß gelegt und offensichtlich gehofft, dass der Sturm vorüberzieht.“

„Wir wollen gestalten und sind zu Kompromissen bereit. Aber nur, wenn eine Strategie erkennbar ist, die Beschäftigung langfristig sichert,“ betonte Köhlinger auf dem Bahnhofsplatz in Heiligenstadt.

Bodo Ramelow bekräftigte, dass die Landesregierung solidarisch hinter allen Beschäftigten steht, die von einem solchen Szenario, wie es bei der NORMA in Gerbershausen und Maintal, der CONTINENTAL/VITESCO in Mühlhausen, der Eaton in Nordhausen und anderswo in Thüringen in unserem Land betroffen sind. Der Ministerpräsident forderte die Arbeitgeber auf, „Zukunft im Dialog mit und für die Menschen zu gestalten. Tarifflucht und Lohndumping, Entlassungen und Werksschließungen sind keine Lösungen. Die Menschen haben ein Recht darauf, dass Veränderungsprozesse nicht auf ihren Rücken ausgetragen werden und dass Familien ihre Existenzgrundlage nicht entzogen bekommen“ und übte scharfe Kritik am Verhalten der NORMA und in gleicher Weise handelnden Unternehmen.

Auf Grund von nun nicht mehr zur Verfügung stehenden Steuereinnahmen, können die erforderlichen Baumaßnahmen am Kindergarten in Gerbershausen nicht mehr fertig gestellt werden, so dass dieser vor der Schließung steht. Auf der Kundgebung wurde spontan eine Spendenaktion durchgeführt. „Die Spenden fließen direkt in die Baumaßnahmen“, so Eileen Ritter, Vertrauensfrau bei der NORMA unter Beifall der Kundgebungsteilnehmer.

Swen Niekler und Klaus Ditzel, Betriebsratsvorsitzende, sehen in dem Verhalten der Geschäftsleitung nicht nur einen Angriff auf die Würde der Menschen bei der NORMA. Sie bezeichneten es als derart grenzwertig und forderten die Politik auf, hier einen Riegel vorzuschieben. „Menschen sind keine Ware und haben in einem Sozialstaat immer den Vorrang vor Börsenkursen eingeräumt zu bekommen“.

Symbolisch stiegen über 300 Luftballons für jeden bedrohten Arbeitsplatz in den Nachmittagshimmel von Heiligenstadt.

Sandro Witt, stellvertretender Bezirksvorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, stellte zuletzt klar: „Öffentliche Fördermittel gehören an politische Kriterien gebunden, die eine ganze Generation überdauern. Von der Ausbildung bis in die Rente. Ich bin beeindruckt von der deutlichen Solidarität der Beschäftigten an den jeweiligen Standorten.“