Aus den Regionen: IG Metall Homburg-Saarpfalz

16.09.: Aktionstag gegen Personalabbau bei Schaeffler

  • 15.09.2020
  • Aktuelles, Betriebspolitik, Betriebliche Konflikte

Der Schaeffler Vorstand gefährdet mit den aktuellen Planungen die Zukunftsfähigkeit des Homburger Standortes. Die Herausforderungen der Mobilitätswende und Transformation können nur gemeinsam mit den Beschäftigten bewältigt werden. Mitarbeiter, die verunsichert sind, mit Kündigungen und Existenzvernichtung bedroht werden, haben andere Themen und Sorgen, als ihre Kreativität und ihre Leidenschaft in die Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen und des Unternehmens insgesamt einzubringen. Mit dem beabsichtigten Kurswechsel wird Schaeffler massiv an Innovationskraft verlieren und in der fortschreitenden Transformation unternehmerisch scheitern.

Die IG Metall fordert den Schaeffler Vorstand auf, statt Arbeitsplatzabbau und Standortschließungen auf Zukunftskonzepte zu setzen. Daher fordern wir den Vorstand auf, die eingeleiteten Planungen zum gestern verkündeten Maßnahmenpaket sofort auf Eis zu legen und gemäß der bestehenden Zukunftsvereinbarung kurzfristig in zielführende Gespräche mit den Belegschaftsvertretern und der IG Metall einzutreten.

Dabei gelten für die IG Metall die bekannten Leitlinien und Forderungen:

  • Keine Standortschließungen
  • Keine betriebsbedingten Kündigungen
  • Verlagerungen nach Osteuropa aussetzen
  • Stärkung der deutschen Standorte durch die Ansiedlung neuer Produkte
  • Kein Outsourcing und Fremdvergabe
  • Nutzung der gesetzlichen und tariflichen Instrumente der Beschäftigungssicherung

Neben der grundsätzlichen Kritik an den Planungen des Schaeffler Vorstandes ergeben sich für den Standort Homburg weitere Zumutungen, Unklarheiten und Risiken.

Die angekündigte Schließung des Standortes „Am Zunderbaum“ ist eine eiskalte Entscheidung und ein harter Schlag in die Magengrube aller Mitarbeiter in Homburg. Der Zunderbaum, als jüngster Standort und feste Größe im Homburger Unternehmensverbund, ist ein eigenständiges Werk und ein wichtiges Standbein im Bewusstsein aller Homburger Beschäftigten. Eine Werkschließung ist immer radikal und in den meisten Fällen endgültig.
 
Vernichtete Arbeitsplätze können auch in besseren Zeiten nicht mehr in einem geschlossenen Werk angesiedelt oder aufgebaut werden. Würde diese Unternehmensentscheidung Realität, muss davon ausgegangen werden, dass in Homburg eine nachhaltige struktur- und beschäftigungspolitische Trendwende eingeleitet wird. Bereits aus diesen Gründen fordern wir den Vorstand auf, von der geplanten Werkschließung Abstand zu nehmen.

Im Übrigen hat das Werk „Am Zunderbaum“ viel Potential und die Beschäftigten am Standort eine Perspektive verdient. Statt Personalabbau durch den geplanten Zukauf von Kugeln bei Drittanbietern, ist die Fortsetzung der Eigenfertigung wirtschaftlich zu prüfen und zu bewerten. Diese Überprüfung wird von den Betriebsräten und der IG Metall eingefordert. Bis zum Abschluss der Prüfung sind gegenläufige Planungen auf Eis zu legen.

Der Standort „Am Zunderbaum“ eignet sich auch hervorragend für die Ansiedlung neuer Materialien und Produkte. Zu prüfen wäre z. B. die Ansiedlung einer keramischen Kugelfertigung, die großes Zukunftspotential bietet. Auch die Ansiedlung alternativer Produkte ist in diesem Zusammenhang zu prüfen.

Grundsätzlich ist der Personalabbau kritisch zu prüfen und zu hinterfragen. Nachdem in den letzten Monaten bereits 10% der Arbeitskräfte am Standort Homburg abgebaut wurden, sollen entsprechend der neuen Planungen weitere 292 Arbeitsplätze in Homburg wegfallen. Eine nachvollziehbare und in die Zukunft gerichtete Personalplanung als Grundlage dieser Planung existiert nicht. Es handelt sich um Kürzungsvorgaben des Vorstandes, die am Standort weder sinnvoll umsetzbar, noch für die Beschäftigten verständlich sind.

Der Schaeffler Vorstand hat mit dem angekündigten Maßnahmenpaket, dem beabsichtigten Personalabbau und der geplanten Schließung des Werks „Am Zunderbaum“ Festlegungen getroffen, die von den Betriebsräten am Standort Homburg und der IG Metall Homburg-Saarpfalz abgelehnt werden. Die Planungen sind nicht geeignet den Homburger Standort zukunftsfest zu machen. Im Ergebnis gibt es keine Sicherheit und Zukunftsstrategie, sondern nur Verunsicherung und Rückschritt. Aus diesem Grund fordern wir die Vorstandsmitglieder von Schaeffler auf, die bekanntgewordene Planung zu stoppen. Gemeinsam mit den Beschäftigten werden wir in den nächsten Tagen und Wochen gegen die Planungen Widerstand leisten und sachgerechte Zukunftslösungen fordern.

Wir sind der festen Überzeugung, nur gemeinsam mit den Beschäftigten wird die Transformation unternehmerisch und gesellschaftlich gelingen.