Pressemitteilung

IG Metall fordert eine saarländische Wasserstoffstrategie

  • 14.10.2020
  • Transformation

Saarbrücken, 14.10.2020 – Die Arbeitskammer des Saarlandes veranstaltet in Kooperation mit der Transformationswerkstatt Saar einen Transformationsdialog zum Thema Wasserstoff.

„Wir möchten als IG Metall sowohl in der Stahlindustrie als auch in der Automobil- und Zulieferindustrie das Thema Wasserstoff proaktiv begleiten. Wenn das Saarland eine Modellregion Wasserstoff werden will, muss endlich auch etwas passieren. Die Landesregierung muss schnellstmöglich eine saarländische Wasserstoffstrategie entwickeln, vor allem im Hinblick darauf, dass Rheinland-Pfalz hier schon einen Schritt weiter ist. Hier sollte überprüft werden, ob potentielle Synergien genutzt werden können“, fordert Ralf Reinstädtler, 1. Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz.

Hierbei gilt es, Unternehmen, Betriebsräte und Wissenschaft gemeinsam an einen Tisch zu holen und eine Strategie entlang der Wertschöpfungsketten im Saarland zu entwickeln. „Nur wenn ganzheitliche Ansätze sowie Pilotprojekte gleichermaßen vorangetrieben werden, können Arbeitsplätze, Unternehmen und die ganze Region langfristig von einer Wasserstoffstrategie profitieren.“, sagt Ralf Reinstädtler, 1. Bevoll-mächtigter der Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz.

Axel Busch, Betriebsrat bei Bosch in Homburg (Saar) und Teilnehmer des Podiums, berichtete aus eigenen Erfahrungen im Bosch-Werk. „Nach der Vorstellung der nationalen Wasserstoffstrategie ist zu viel Zeit vergangen. Es müssen endlich konkrete Projekte geplant und vor Ort umgesetzt werden. Die H2-Infrastruktur ist dringend notwendig – es müssen H2-Tankstellen mit grünem Wasserstoff errichtet werden. Dies ist die Grundlage allen Handelns. In den Betrieben muss sowohl entwickelt als auch produziert werden, dabei darf nicht nur Kernkompetenz im Werk verbleiben. Es muss auch die Fertigungstiefe sichergestellt werden, damit die Arbeitsplätze vor Ort verbleiben, alles andere ist Augenwischerei“, fordert Busch.
 

Reinstädtler und Busch sind sich einig: „Erst wenn die Pläne der Landesregierung und der Unternehmen konkretisiert wurden, ist absehbar, wie viele Arbeitsplätze durch Wasserstofftechnologien entstehen bzw. langfristig gesichert werden können. Auch daran sollten wir die Wasserstoffstrategie letztendlich messen“, sagen die beiden Gewerkschafter.

„Darüber hinaus wissen wir, dass eine weitere alternative Antriebstechnologie im Zuge des Klimawandels notwendig sein wird. Dies ist mit Wasserstoff realistisch und muss gerade im Hinblick mit herkömmlichen Komponenten der konventionellen Antriebstechnologie gedacht werden. Somit kann die Transformation hin zu neuen klimafreundlichen Technologien gelingen und eine Zukunft für die Beschäftigten der Zulieferindustrie bieten. Jetzt gilt es diese einmalige Chance der Wasserstoffstrategie zu nutzen“, so Patrick Selzer, 1. Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Saarbrücken

Vor allem für die Stahlindustrie müssen die Weichen beim Thema Wasserstoff frühzeitig gestellt werden. Damit die Transformation zu grünem Stahl gelingen kann, müssen neben der Frage wie der Umbau der Industrie finanziert werden soll, auch die Versorgung mit und rund um Wasserstoff geklärt werden. „Eine Wasserstoffinfrastruktur ist eine Notwendigkeit, wenn wir über die Produktion von grünem Stahl sprechen“, betont Lars Desgranges, 1. Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Völklingen.

Neben diesen Rahmenbedingungen muss zur Erforschung neuer Wasserstoffreduktionsverfahren parallel weiterhin in Forschung und Entwicklung investiert werden. „Die EU muss darüber hinaus die Frage klären, wie sie im europäischen und internationalen Markt Mechanismen installiert, damit grüner Stahl auch vorrangig abgesetzt wird und nicht gegen den Dumpingstahl aus China ersetzt wird“, mahnt Desgranges.