IG Metall und Vitesco vereinbaren Tarifvertrag zum Spin-Off

Jörg Köhlinger: „Beschäftigte brauchen Sicherheit im Prozess der Abspaltung von Continental“

  • 14.09.2021
  • Aktuelles, Pressemitteilung

Frankfurt am Main – Die IG Metall und Vitesco Technologies haben einen Tarifvertrag zur Flankierung des Spin-Off, der Abspaltung der ehemaligen Powertrain-Sparte vom Mutterkonzern Continental, geschlossen.

Jörg Köhlinger, Bezirksleiter IG Metall Mitte, fotografiert in Frankfurt am Main am 17.08.2018. Foto: Frank Rumpenhorst für IG Metall Bezirk Mitte

Gegenstand der Vereinbarung sind u.a. Regelungen zur Beschäftigungssicherung. Bis Ende 2024 sollen in Zusammenhang mit der Herauslösung von Vitesco aus dem Continental-Konzern keine Arbeitsplätze verlorengehen. Entfallen dennoch Stellen, so werden den betroffenen Beschäftigten adäquate Alternativen im Konzern angeboten. Dazu wird das Instrument eines konzerninternen Arbeitsmarktes genutzt.

Weitere Inhalte des Tarifvertrages sind die Anpassung der Continental-Konzernerfolgsbeteiligung an die neuen Unternehmensstrukturen, die Fortführung der Ausbildung auf hohem Niveau und die Bildung eines Transformationsausschusses, der die Ausrichtung der deutschen Standorte mit ihren insgesamt gut 10.000 Beschäftigten beurteilen und begleiten soll. Weiterhin bekennt sich Vitesco Technologies zur Tarifbindung.

Auch die Verpflichtung des Unternehmens, über einen Transformationsausschuss die Arbeitnehmervertreter*innen frühzeitig einzubinden und dabei die Zukunftsausrichtung der deutschen Standorte zu diskutieren, zu beurteilen und zu begleiten, konnte bis mindestens Ende 2024 festgeschrieben werden. So können IG Metall und Mitbestimmung stärkeren Einfluss nehmen auf die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Dazu Jörg Köhlinger, Leiter des zuständigen IG Metall Bezirks Mitte: „Das zukünftig selbständige Unternehmen Vitesco steht vor enormen Herausforderungen in Zusammenhang mit den Umbrüchen in der Automobilindustrie. Der erst kurz zurückliegende Konflikt um einen massiven Stellenabbau am Standort Bebra und die Schließung des Betriebsteils Mühlhausen haben gezeigt, wie viel für die Beschäftigten auf dem Spiel steht. Soll die Transformation hin zur Elektromobilität gelingen, dann müssen die Beschäftigten mit einbezogen werden und brauchen sichere Perspektiven. Es ist gut, dass wir mit der jetzt abgeschlossenen Tarifvereinbarung einen Beitrag dazu leisten können, auch wenn wir uns in den vergangenen Monaten stellenweise noch mehr Weitsicht vom Unternehmen gewünscht hätten.“

„Conti in motion – Vitesco, aber sicher“ lautet unser Motto. Unser Ziel war es, vor einer Abspaltung Sicherheit für die Beschäftigten herzustellen. Indem wir Tarifbindung sichern, die Beschäftigten vor möglichen Auswirkungen der Abspaltung schützen und Vitesco verpflichten, Ausbildungsplätze zu erhalten, haben wir dieses Ziel erreicht. Die IG Metall hat darauf bestanden, dass das Thema Elektromobilität im Powertrain-Bereich verbleibt. Die ambitionierten Klimaziele bieten nun Chancen für Vitesco. Wir erwarten vom Unternehmen, diese Chancen für Beschäftigung an deutschen Standorten zu nutzen. Dass wir dafür Instrumente gefunden haben, ist gut und das richtige Signal für die Zukunft von Vitesco und seinen Beschäftigten gleichermaßen“ so Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Vorsitzende des Continental Aufsichtsrates.

Zum Hintergrund:
Unter dem Namen Vitesco Technologies wurde die ehemalige Powertrain-Sparte aus dem Continental-Konzern herausgelöst. In dieser Woche soll das Unternehmen im Rahmen eines Spin-Offs selbständig an die Börse geführt werden. In der jüngsten Vergangenheit gab es mehrere Konflikte um massiven Stellenabbau und Standortschließungen.