26.01.2026 | Bei Neumayer Tekfor GmbH in Schmölln ist der Sozialtarifvertrag in Kraft getreten. Das Paket umfasst insgesamt 23,7 Millionen Euro! Mit drei Warnstreikwellen hatten die Beschäftigten im Sommer 2025 ihre Entschlossenheit unter Beweis gestellt. Die Verhandlungen begannen nach der Entscheidung zur Werksschließung und erstreckten sich über mehrere Monate.
„Wir haben das Maximum herausgeholt, um die Interessen der Beschäftigten zu vertreten und die sozialen Härten abzufedern. Mit dieser Auseinandersetzung haben wir klargemacht, dass Dichtmachen richtig teuer werden kann. Unsere Mitglieder können mit erhobenem Haupt aus dem Betrieb gehen. Trotzdem brennt uns auf der Seele, dass der Betrieb mit seiner leistungsstarken Stammbelegschaft – bei einem besseren Management – eine Zukunft gehabt hätte,“ so Tom Knedlhanz, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Gera.
Die Regelungen im Einzelnen
Ein Großteil der Beschäftigten bekommt – erstmals in der Region – Abfindungen mit dem Faktor 1,5. Auch für ältere Jahrgänge „61 plus“ (Faktor 1) und „65 plus“ (Faktor 0,5) fallen die Abfindungen auf hohem Niveau aus. Zuschläge für Kinder oder Menschen mit Beeinträchtigungen kommen hinzu
Neben diesen Abfindungen besteht für die Beschäftigten das Anrecht, freiwillig nach Ende der Kündigungsfrist in die Transfergesellschaft überzutreten. Das reduziert Zeiten möglicher Arbeitslosigkeit und bereitet die Kolleginnen und Kollegen auch auf neue Jobs vor. Dafür steht ein Qualifizierungsbudget von ca. 400.000 Euro zur Verfügung. Das Transferkurzarbeitergeld wird während der Verweilzeit in der Transfergesellschaft noch auf 80 Prozent aufgestockt.
Der Tarifvertrag besagt, dass die 23,7 Millionen Euro bis zum letzten Cent aufgebraucht werden. Alle Restmittel, die nicht durch Abfindungen und Transfergesellschaft aufgebraucht werden, sollen den Beschäftigten zugutekommen. So können besondere Härten berücksichtigt werden oder beispielsweise auch das Qualifizierungsbudget aufgestockt werden. Über die Verwendung der Mittel entscheidet ein paritätisch besetzter Beirat mit Stimmmehrheit der Arbeitnehmerseite.
Drei Warnstreiks mit Wucht
„Mit unseren Warnstreiks haben wir für einen Produktionsausfall von 21 Stunden gesorgt. Das hat dem Unternehmen weiter ins Kontor geschlagen. Die Kombination mit den ohnehin bestehenden Lieferschwierigkeiten – Grund war die Misswirtschaft des Managements – haben unsere Verhandlungsposition weiter verstärkt“, so Knedlhanz. „Wir haben schon 2023 darauf hingewiesen, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt und man die Produktivität im Betrieb auf den Prüfstand bringen muss. Dieser Absicht folgte dann auch eine Tarifvereinbarung. Dem Management bei AAM war das offensichtlich völlig egal. Umso größer war der Zorn bei unseren Mitgliedern, umso härter unsere Linie. Unsere Planung ging weit über Warnstreiks hinaus und hätte auch einen unbefristeten Arbeitskampf beinhaltet. Erfreulicherweise konnte schon vorher eine Einigung erzielt werden. Dennoch hätte die Schließung in Schmölln verhindert werden können, hätte es früher entsprechende Gespräche gegeben. Hier blieb uns nur noch der Weg des Arbeitskampfes. Die Botschaft nach außen: Wenn ihr nicht wollt, wir können!“
Über das Werk in Schmölln
Das Thüringer Werk der Metal Forming Sparte von American Axle & Manufacturing Inc. (AAM) produziert unter anderem Verbrennerteile wie Nockenwellen, integriert sich aber seit Jahren auch in der E-Mobilität und ist Lieferant von Rotorwellen für E-Antriebe. Seit drei Jahren gehört Neumayer Tekfor Schmölln GmbH zum amerikanischen Automobilzulieferer American Axle & Manufacturing, Inc. (AAM), der in Deutschland auch Betriebe in Hausach, Zell (Baden-Württemberg), Krauthausen (Thüringen) und Rotenburg (Hessen) übernommen hat. Die aktuelle Auseinandersetzung hatte im April begonnen, als die heimlichen Schließungspläne der Geschäftsführung ans Licht kamen. Mit zahlreichen Aktionen inklusive eines Warnstreiks erzwangen Gewerkschaft und Belegschaft den Sozialtarifvertrag in Rekordhöhe.