13.02.2026 | Die Geschäfts- und Konzernleitung von Kyocera AVX in Betzdorf und Steineroth hat beantragt, vom gültigen Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie abzuweichen. Alle Beschäftigten sollen für die Dauer von zwei Jahren auf sämtliche tariflichen Zusatzzahlungen verzichten.
Diese Forderung folgt auf einen Personalabbau, der Ende 2025 betrieblich verhandelt und vereinbart wurde und bis Ende 2027 umgesetzt werden soll. Die verbleibenden Beschäftigten – sowie diejenigen, die weiterhin im Betrieb bleiben können und vom Personalabbau betroffen sind– sollen nun einen massiven zusätzlichen Beitrag leisten.
Über dieses Vorgehen haben die Mitglieder der IG Metall bei Kyocera am vergangenen Samstag beraten. An der Versammlung nahmen zahlreiche Mitglieder, der IG-Metall-Betriebsrat bei Kyocera sowie der wirtschaftliche Sachverständige des Betriebsrats und der IG Metall teil.
„Die Beschäftigten, unsere Mitglieder, sind mehr als enttäuscht von der örtlichen Geschäftsleitung und dem Konzern. Rund 150 Beschäftigte leisten seit vielen Jahrzehnten gute und qualifizierte Arbeit. Dass diese Forderung jetzt kommt, macht die Beschäftigten stinksauer.“, erklärt Oliver Scheld (1. Bevollmächtigter der IG Metall Herborn-Betzdorf).
Viele Mitglieder stellen sich grundlegende Fragen: Wie geht es mit dem Standort weiter? Welchen Beitrag leisten Geschäftsleitung und Konzern zur Sicherung und zum Ausbau des Standorts? Und wie werden die verantwortlichen Manager vor Ort für dieses Missmanagement zur Rechenschaft gezogen?
„Was unsere Geschäftsführung und unser Konzern von den Menschen verlangt haben und nun weiter abverlangen, ist eine absolute Frechheit. Es gefährdet die Existenz der Kolleginnen und Kollegen sowie deren Familien.“, sagt Sascha Steinhauser, Leiter der Vertrauensleute und Betriebsratsvorsitzender bei Kyocera.
Mitglieder sprechen sich für ergebnisoffene Verhandlungen aus
Ergebnisse müssen von den Mitgliedern abgestimmt werden
Trotz der großen Wut und des Unverständnisses gegenüber den beantragten Maßnahmen haben sich die Mitglieder mehrheitlich dafür ausgesprochen, in Verhandlungen einzutreten. Die IG Metall wurde beauftragt, Verhandlungen mit dem Arbeitgeber aufzunehmen.
„Die Verhandlungen werden ergebnisoffen geführt. Für uns stehen die Mitglieder und ihre Interessen im Mittelpunkt. Sollte ein Ergebnis erzielt werden, werden die Mitglieder darüber beraten und anschließend zustimmen oder es ablehnen.“, erklärt Daniel Müller (Gewerkschaftssekretär der IG Metall Herborn-Betzdorf).
„Sollte es erforderlich werden, werden wir die Mitglieder und Beschäftigten aktiv in die Verhandlungen einbinden. Es gibt keinen Blindflug ohne Aktion und ohne Beteiligung!“, ergänzt Scheld.
Die IG Metall wird den Arbeitgeber nun mit konkreten Verhandlungsterminen konfrontieren. Über den weiteren Verlauf wird regelmäßig im Betrieb, in Mitgliederversammlungen sowie auf der Homepage informiert.