IG Metall Bezirk Mitte
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12.07.2020, 11:07 Uhr

Eine "neue" Bewegung: Wenn Frauen* streiken veränder sich die Welt

Der internationale Frauentag erlebt eine Renaissance. 2019 gingen am 8. März tausende Menschen auf die Straße, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Allein in NRW waren im Rahmen des Frauen*streiks ca. 10.000 Menschen auf Demos, bei Aktionen, in Streikzelten.

Dass Frauen für eine andere Welt ist nicht neu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten Frauen in den Gebärstreik, um gegen den Krieg zu protestieren. Und auch vorher waren Streiks oft von Frauen getragen. Am bekanntesten ist der „Weberaufstand“ 1844 in Schlesien, der mehrheitlich von heimarbeitenden Weberinnen getragen war. In der russischen Revolution waren es maßgeblich Frauen, die mit für den Erfolg gekämpft haben. Nicht zuletzt waren es 1917 die Arbeiterinnen im zaristischen Russland, welche für Brot und für die Beendigung des Krieges zu Tausenden auf die Straße gingen und einen politischen Frauenstreik so zuspitzten, dass dieser in die Russische Revolution mündete. In Russland wurde die erste Frau überhaupt Ministerin. Alexandra Kollontai – Volkskommissarin für soziale Fürsorge.

Die Crimmitschauer Fabrikarbeiterinnen riefen von 1903 bis 1904 fast ein halbes Jahr lang zum Streik für bessere Arbeitsbedingungen auf. In Deutschland erstritten 1979 die sogenannten Heinze-Frauen, Arbeiterinnen eines Gelsenkirchener Fotolabors, vor dem Bundesarbeitsgericht in Kassel ein Urteil gegen Lohndiskriminierung. 1994 streikte eine Million Frauen in Deutschland gegen schlechte Arbeitsbedingungen, den Abbau von Sozialleistungen und für das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung. In ihrem Aufruf hieß es: „Jetzt streiken wir! Frauen werden die Hausarbeit niederlegen, betriebliche Aktionen bis zum Streik durchführen, nicht einkaufen, nicht mehr höflich lächeln, nicht nett sein, keinen Kaffee kochen und die Kinder den Männern mit auf die Arbeit geben. Auffällig und frech werden wir unsere Gemeinsamkeit und unsere Solidarität bekunden. (…) Wir wollen die gleichmäßige Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit unter Frauen und Männern.“ Dieser Streik ist bis heute fast aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden.

Seit den Frauen*streik-Aktionen 2018 wandert er Stück für Stück ins Gedächtnis zurück. Und was passierte 2009 – heute: es gab den Streik der Putzfrauen, im Einzelhandel, sozial- und Erziehungsdienste, Krankenhäusern und Kliniken. 2018 streikten Frauen in 177 Ländern auf der ganzen Welt am internationalen Frauentag. Besondere Aufmerksamkeit bekam dabei der Massenstreik in Spanien: Mehr als 5 Millionen Frauen legten die Arbeit nieder und übertrafen damit alle Erwartungen. In ganz Spanien wurde mit dem Slogan „Wenn wir streiken steht die Welt still“ gegen Gewalt, Diskriminierung, unbezahlte Care-Arbeit und die Prekarisierung in der Erwerbsarbeit. In Argentinien und Polen gingen Frauen* für ihr Recht auf Selbstbestimmung auf die Straße. In Chile besetzten sie die Universitäten. Die Idee des Frauen*streiks war nicht nur geboren, er fand 2018 in vielfältigen Formen statt – international.

 Präsentation Frauen*streik


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