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Bruchlandung nach nur acht Monaten in Kaltennordheim: Fahrzeugteile Kaltennordheim gibt Betriebsschließung bekannt

  • 20.10.2020
  • Aktuelles, Betriebspolitik, Betriebliche Konflikte

Der Betrieb mit etwa 100 Beschäftigten wurde Anfang 2020 aus dem Schaeffler-Konzern mit Sitz in Herzogenaurach heraus gekauft. Im März 2019 verkündete Schaeffler den Beschäftigten, dass die Produkte und Aufträge bis Mitte 2020 verlagert würden, was zur Schließung des Werkes führen würde. Durch den Verkauf sicherte Schaeffler einerseits zu, das Werk auszulasten und die Verlagerung erst zu April 2021 abzuschließen. Zugleich hinterlegte Schaeffler Abfindungen für den Fall, dass eine Fortführungslösung nach der Verlagerung nicht greifen würde.

Monatelange Bemühungen für eine Fortführungslösung wurden heute brachial enttäuscht. Die beiden Eigentümer, Frank Günther und Wolf Waschkuhn, legten die Schließung des Standortes zu Ende April oder Mai 2021 fest. Das teilte Herr Waschkuhn schichtbedingt in zwei Belegschaftsversammlungen am Montag, 19. Oktober, in Kaltennordheim mit. Er bedankte sich bei der Belegschaft für das bisherige Engagement und stellte klar, dass die jetzige Entscheidung nicht wegen der Belegschaft begründet ist. Die einst von Schaeffler treuhänderisch hinterlegten Abfindungen sind zwar bei Verlust des Arbeitsplatzes in Kaltennordheim nach wie vor fällig. Jedoch verlieren bis dahin noch 95 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.“, teilt Thomas Steinhäuser, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Suhl-Sonneberg, mit.

Frank Günther und Wolf Waschkuhn haben sich auf die Restrukturierung von Unternehmen spezialisiert. Zu ihrer Unternehmensgruppe gehört auch die One Square Advisors GmbH, die als Gesellschafterin des Betriebes in Kaltennordheim agiert. Anfang Februar 2020 übernahmen sie den operativen Geschäftsbetrieb in Kaltennordheim von Schaeffler.

„Von Beginn an war klar, dass Schaeffler mit seiner schrittweisen Verlagerung von Produkten und Aufträgen auch Maschinen und Anlagen aus Kaltennordheim abzieht. Von Beginn an war zugesagt, dass die neuen Eigentümer in die maschinelle Neu-Ausstattung im Kaltennordheimer Werk investieren. Aber davon ist nun keine Rede mehr. Von Risiko sprechen die Eigentümer, von unzureichenden Zugeständnissen seitens Schaeffler und von natürlich Corona, was ja als Erklärungsmuster für vielerlei Abweichungen von vormaligen Plänen inzwischen herhalten muss. Unverständnis, Trauer und Wut formulieren die Beschäftigten nach Bekanntgabe der Schließungsabsicht. Und sie fragen sich, ob Fortführungsmöglichkeiten ausreichend und gründlich genug bearbeitet und realisiert wurden. Immerhin gab es Ideen für die Fortführung des Werkes. Dafür bräuchte es jedoch die einst zugesagten Investitionen für neue Maschinen und Anlagen, wozu die Eigentümer nun nicht mehr bereit sind.“, fährt Steinhäuser fort.