Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit

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  • 20.10.2020
  • Aktuelles, Betriebspolitik, Betriebsrat, Frauen, Migration

Frauen verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer. Die IG Metall leistet auch über Tarifverträge hinaus Arbeit, um diese ungerechte Lücke zu schließen. Am 20. Oktober machen wir daher auf den Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit aufmerksam.

Bestehende Ungerechtigkeiten werden durch die Corona-Krise noch verschärft. Dies zeigt sich auch beim Thema Gleichstellung. Frauen haben in den letzten Monaten häufiger ihre Arbeitszeit reduziert. Die Entscheidung darüber, wer in der Krise zuhause bleibt und weniger arbeitet, um sich um die Familie zu kümmern, hängt oft davon ab, wer mehr Geld verdient. Deshalb ist es wichtig, die Entgeltlücke zu schließen.

Männer verdienen in Deutschland im Schnitt 20 Prozent mehr als Frauen. Damit ist die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern zwar im Vergleich zum vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt gesunken, doch es wird deutlich, wie langsam sich diese Lücke schließt. Laut einer Studie des Europäischen Gewerkschaftsbundes werden Frauen in Deutschland erst im Jahr 2121 gleich viel Lohn erhalten, wie ihre männlichen Kollegen, wenn die aktuelle Geschwindigkeit der Angleichung konstant bleibt.

Damit schneidet Deutschland im europäischen Vergleich eher schlecht ab, auch wenn die Aussichten in den anderen Mitgliedsstaaten ebenfalls nicht rosig sind: Die Daten von Eurostat, auf die sich die Studie des Europäischen Gewerkschaftsbunds stützt, zeigen, dass sich europaweit die Lücke zwischen dem Entgelt von Männern und Frauen in den letzten 8 Jahren bloß um ein Prozent geschlossen hat. Somit wird die Lücke im europäischen Durchschnitt erst in 84 Jahren vollkommen geschlossen sein, sofern sich nichts ändert. In Frankreich soll es noch 1000 Jahre dauern, bis Gleichheit im Entgelt der Geschlechter erreicht ist.


Weniger Ungleichheit mit der IG Metall

Am 20. Oktober dieses Jahres ist der Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit – das heißt den Rest des Jahres arbeiten Frauen quasi unentgeltlich. Jedes Jahr wird dieses Datum neu berechnet. So fiel dieser Tag im vergangenen Jahr auf den 16. Oktober. Der Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit macht auf die bestehende Diskriminierung von Frauen bei Lohn und Gehalt aufmerksam und wird auch von der IG Metall immer wieder als Anlass genommen, auf das Problem aufmerksam zu machen.

„Die IG Metall kämpft gegen die Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen auf tariflicher und betrieblicher Ebene“, sagt Stefanie Geyer, Expertin für Gleichstellungsfragen in der IG Metall. Studien zeigen, was dieses gewerkschaftliche Engagement ausmacht: „In tarifgebundenen Unternehmen ist die sogenannte ‚Pay Gap‘, also die Lücke im Verdienst zwischen den Geschlechtern, um 10 Prozentpunkte geringer“, sagt Stefanie Geyer und doch sieht auch sie weiteren Handlungsbedarf. „Die Entgeltlücke wird sich schneller schließen, wenn die Entgeltstrukturen und Eingruppierungen regelmäßig überprüft werden. Wir fordern deshalb verpflichtende Prüfverfahren und echte Sanktionen bei ungleicher Bezahlung.“

Der Europäische Gewerkschaftsbunds wendet sich in einem öffentlichen Brief an die Präsidentin der Europäischen Union, Ursula von der Leyen, dass diese ihr Wahlversprechen einhalten solle, innerhalb ihrer ersten 100 Amtstage verbindliche Maßnahme zur Entgelttransparenz vorzulegen. Ursprünglich war geplant, dass die EU zum 4. November, dem „Equal Pay Day“ eine Richtlinie zur Beendigung der Lohnungleichheit veröffentlicht, was nun bis in den Dezember hinein verschoben wurde. „Die gesamte Initiative scheint nun in eine Aufschiebe-Kategorie herabgestuft zu sein“, kritisiert die Generalsekretärin des Gewerkschaftsbunds, Esther Lynch. Ein solidarischer Kampf der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gemeinsam mit den Gewerkschaften wird notwendig sein, um die Lücke schneller zu schließen.